Meine Helden Teil 3

Veröffentlicht am 20. März 2025 um 12:54

Peset, die Küche und der Pimpf

 

  Von wegen ‚Heute bleibt die Küche kalt‘! Die Küche ist Dreh- und Angelpunkt in nahezu jedem Haushalt! So auch in meinen Geschichten.

  Jetzt wird mal ordentlich eingeheizt. Darf ich vorstellen: Peset! Herrin über Tiegel, Töpfe, Pfannen! Ihres Zeichens Köchin in meinen SACHMET-Bänden, gleichzeitig ist sie im Isistempel Wirtschafterin, Managerin, Mutter von vier Söhnen, Chefin unzähliger fleißiger Händchen. Vollzeitjob! Sie hat das Regiment und alle unter ihrer Fuchtel! Wer nichts in ihrer Küche zu suchen hat, wirft sie achtkantig raus. Und ich will gar nicht wissen, was sie mit den Hühnern und der Axt vorhat…

Peset = Köchin, hat wie ihr Gatte, der Gärtner, keinen eigenständigen Namen. Hier halte ich mich an die alte Regel der Ägypter: das Kind bekommt den Namen seines künftigen Berufes. War der Vater, die Mutter Koch/Köchin hieß das Kind eben Sohn/Tochter/des Kochs/der Köchin.

  Okay, Peset regiert über ihr Reich mit eiserner Härte und großer Liebe! Sie ist für das leibliche Wohl im Isistempel zuständig und herrscht über ein Heer von Mägden, die – wenn sie sich flink und willig und nicht allzu dumm anstellen – ein gutes Leben bei ihrer rabiat liebenswerten Chefin haben. Für andere Mitarbeiter ist in meinen Geschichten kein Platz, die werden erst gar nicht eingestellt, bzw. fliegen sie gleich wieder. Was Peset gar nicht leiden kann, ist, wenn man ihren Mädchen zu nahe tritt! Wenn Kerle sich ungehöriges und unmanierliches erlauben, kann es schon mal vorkommen, daß Ranofer, der Hauptmann der Tempelwächter, der seinen festen Platz ganz oben an dem langen Tisch hat, eingreift und den impertinenten Gesellen eigenhändig aus dem Haus wirft! Übergriffiges wird hier nicht geduldet!

  Und was die Küche selbst anbelangt, verabschiedet euch von Hygienevorschriften, Häubchen auf dem Kopf, Kalorien und so. In altägyptischen Küchen ging es rund, es wurde gegrillt, gebacken, gebraten, gesotten, fritiert und in Wasser gekocht. Man kannte unzählige Rezepte für Brot und Kuchen, gesüßt mit Erdmandeln, Honig, Datteln, gewürzt mit Anis und Kümmel. Es konnte ihnen gar nicht süß und fettig genug sein.

  Der Großteil der Küchen im alten Ägypten lag, wie heute noch in afrikanischen Ländern üblich, im Freien, denn die Feuer der Bratspieße, Grills, Pfannen und Öfen verbreiteten nicht nur Gluthitze, sondern auch beißenden Qualm. Und eben wegen diesem Qualm lag eine Küche immer nach Süden ausgerichtet – praktisch, denn der ewig wehende Nordwind trieb so den Kochdunst gleich aus Haus und Hof. 

  Okay, der Nachbar bekam es dann ab, aber das kennt ihr bestimmt. Wartet nur mal die nächste Grillsaison ab 😁

 Auf dem Speiseplan standen neben sämtlichen Hülsenfrüchten und Getreide Knoblauch, Zwiebeln, Lauch, Knospen vom Lotos, Papyrussprossen, Melonen, Obst, Trauben, Gurken. Natürlich gehörte Fisch auf den Tisch – logisch, wenn man am längsten Fluß der Erde lebt – und auch Tauben, Enten, Gänse und deren Eier. Hühner wurden von Pharao Amenhotep III. erstmalig aus Syrien importiert und diese wertvollen Vögel spielen in meinen Geschichten stets eine winzig-witzige Rolle. Selbstverständlich kam bei den Vornehmen Rind-, Schweine-, Ziegen-, Hammelfleisch und natürlich Wild auf den Tisch! Olivenöl wurde aus Israel importiert, ansonsten wird man Hammel- und Gänsefett verwendet haben. Gewürzt wurde mit Sellerie, Dill, Minze, Koriander, Schwarzkümmel etc. wahrscheinlich auch Salz, aber dazu fand ich noch keine Infos. Pfeffer kannte man – teuer wie Sau – der wurde überwiegend als Arznei verwendet. Ob er zum Würzen hergenommen wurde sei dahingestellt. Meine Peset jedenfalls nutzt ihn in ganz seltenen Ausnahmefällen zum Würzen.

  Dadurch, daß das Mehl auf einem Mahlstein gerieben wurde, sich deshalb winzige Steinpartikel darin ablagern, hatten die Brot und Kuchen liebenden Ägypter im allgemeinen schlechte Zähne. Ganz besonders hart traf es Pharao Amenhotep III. Er verstarb an den Folgen schlimmer Abszesse und vereiterter Kiefer in seinem fünfzigsten Lebensjahr nach einer erfolgreichen und friedvollen Regierungszeit von achtunddreißig Jahren.

 

Wo wir schon in der Küche sind, vergessen wir die Getränke nicht! Wasser, ja, bedingt, gesüßt vielleicht mit Honig. Auch wurde Milch, Irtet, getrunken. Aber vorrangig wurde Bier, egal welcher Brauart getrunken – es gab dünnes gefiltertes und dickes ungefiltertes, süßes, mit Datteln versetztes Bier, saures, mit Essig versetztes Bier. Henket, wie es damals hieß – galt genau wie bei uns im Mittelalter, der Hygiene wegen – als natürlicher Durstlöscher.

Sich zu betrinken, vor allem bei den unzähligen religiösen Festen und vor allem bei Beerdigungen gehörte bei den alten Ägyptern zum guten Ton. Wein, Irep, überwiegend den Vornehmen vorbehalten, war ein teures Gut, wurde wie heute noch, zu besonderen Anlässen getrunken, aber auch als Arznei verwendet.

 

Aufbewahrt wurden all die Kostbarkeiten für eine gescheite Mahlzeit in gewaltigen tönernen Krügen – vor allem das Getreide. Alles andere wird wohl offen in Körben und Schüsseln gelagert worden sein. Und bei einer solchen Vorratshaltung laden sich gern ungebetene Gäste zum Schmaus ein: Mäuschen! Deshalb ist Peset froh um ihre niedlichen Helfer in der Küche, für die hier und da ein Leckerchen abfällt und stets ein Schälchen Milch bereitsteht, denn auf Dauer ist Maus 🐭auf dem Teller doch wenig abwechslungsreich 😁

  Pesets Gatte, der gutmütige Gärtner – im heutigen Jargon wär er der Facility-Manager – hat nicht wirklich viel zu melden bei seiner Angebeteten, trotzdem scheinen die beiden eine gute Ehe zu führen. So genau kann ich das allerdings nicht sagen, ich bin ja nicht immer dabei 😊Jedenfalls ist der gute Namenlose für all das im Haus verantwortlich, was kaputt gehen kann, er hält brav die Kehrwoche ein 😉, kümmert sich um all das was in einem Haus an Handwerklichem so anfällt. Viel zu sagen gibt zu dem liebenswerten älteren Herrn nicht, er ist jedenfalls immer da, wenn man ihn braucht. Auf dem Bild beäugt er gerade äußert kritisch den Typen, den seine Chefin da freudestrahlend empfängt.

 

 

Aber sein Jüngster – für den mußte ich erst ein Figürchen entwerfen, den hab ich so als wichtige Nebenfigur gar nicht auf dem Schirm, obwohl ohne ihn manches gar nicht zustande kommt – ist ein kleiner Draufgänger und fast so wild wie seine Mama. Dient als Laufbursche, Handlanger, springt hier und dorthin, und alle rufen den schlaksigen, schüchtern wirkenden Teenie Pimpf, Kleiner, Wicht, bis er sich eines Tages gegen die Alten durchsetzt; er macht sich wichtig, plustert sich auf. „Ahmose!“, ruft er laut und versucht irgendeine imponierende Haltung anzunehmen. „Mein Name ist nicht Pimpf! Nicht Kleiner! Nicht Bübchen! Mein Name ist Ahmose!“ (Der Mond ist geboren – er heißt so, weil er beim aufgehenden Vollmond geboren wurde) So vehement und eindrücklich macht er Schluß mit den verstaubten Traditionen, wehrt sich, sagt klipp und klar, er wolle Held und Soldat werden! Genau wie Herr Ranofer!

  Nun denn, als das gutmütige Gelächter abebbte, 😁seine Mutter sich von dem Schlag erholt hatte, meinte die wirkliche Chefin des Hauses (das ist Bent), der Bub hätte tatsächlich Besseres verdient, er solle ab sofort der Tempelwache zugeteilt werden! So geschieht es in Band 4, DIE RACHE DER LÖWIN, ab Band 8 ist er sogar selbst Hauptmann der Tempelwächter.

Und wenn sich jetzt einer meiner Leser fragt, was aus Ranofer geworden ist … in DER KUSS DES TODES erfahrt ihr es!

 

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