Sachmet Die beiden Herrinnen

 
Mit Freude präsentiere ich Ihnen die neue Bent/Sahu Re!
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Sie finden dort eine zwanzigseitige Leseprobe

Sie können hier - was für mich bisher unvorstellbar war, denn ich bin ziemich kamerascheu - ein Video von mir mit einer kleinen Lesung abrufen!!!


1. Auflage
April 2020
ISBN: 9783751907408
216 Seiten,  9,59 €
Als E-Book: 6,49 €

 

Nein - es ist kein Fehler im Titel, auch wenn es SACHMET 3 (Die Rache der Löwin) schon gibt. Leider ist mir vor Jahren ein "Fehlerchen" unterlaufen,
die Geschichte "Die Rache der Löwin" spielt 20 Jahre in der Zukunft. Sie gehört unter all den Sachmet-Bänden weit an den Schluß.
Ich bin gerade dabei, den Band zu überarbeiten, ihn Sachmet 4 zu nennen...
demnächst kommt die völlig überarbeitete Geschichte dann auf den Markt




Sachmet Die beiden Herrinnen
schließt sich nahtlos an "Blutmond" an.
Und Anna ist zurück!
Mit all der Power und Tatkraft, die die taffe Archäologin ausmachen. Spielte sie in "Sachmet Der Schwur" doch nur eine
"Nebenrolle" in der Rahmenhandlung, tauchte sie in "Sachmet Blutmond" nur am Rande erwähnt in einem Traum auf, so ist sie jetzt eine der
beiden Herrinnen!
Anna ist "back"! Frisch, modern, von einer Seite, die man nicht an ihr kannte. Lassen Sie sich in ihre Welt entführen,
kommen Sie mit ihr mit nach Luxor, erleben Sie vor der traumhaften Kulisse des Winter Palace und der Westbank wie Anna sich von
 ihren Fesseln befreit, glaubt, ein neues Leben beginnen zu können...
Lernen Sie meine neue/alte Heldin aus einem völlig anderen Blickwinkel kennen!
 Wie schon gesagt...

...Zwei Frauen, Bent und Anna - zwei Schicksale – über Jahrtausende hinweg verbunden durch mystische göttliche Kraft



Klappentext:

2010 AD:
Luxor, Ägypten

Nachdem sie herausfand daß Georg ein doppeltes Spiel treibt, verläßt Anna wütend, noch vor Saisonbeginn, Deutschland. In Luxor angekommen blickt sie alsbald entsetzt in die düsteren Abgründe ihrer eigenen Seele und muß feststellen, daß ihre Ehe, die all die Jahre auf wackligen Füßen stand, nicht mehr das Fundament ist, auf das sie bauen kann…

1387 v. Chr.:
Uaset, Kemet

Grausame Morde geschehen in Uaset! Selbst auf den Stufen des Isistempels findet man ein Mordopfer. Doch Bent, obwohl sie bereits ein Jahr dem Tempel der Isis als pflichtgetreue Hohepriesterin Sahu-Re vorsteht, vergißt selbst über all diesen Sorgen niemals ihren schmerzvollen Leidensweg. Unstet getrieben von ihrem blindwütigen Haß, ihrer gnadenlosen Wut auf die bittere Zeit, ist sie weder bereit ihre neue Heimat anzunehmen noch sich von dem Leid zu lösen, daß ihr einst angetan wurde. Nichts scheint sie je über den erlittenen Verlust hinwegzutrösten. Zudem plagen Zweifel ihr Gewissen; vergebens versucht sie Isis zu huldigen und Sachmet zu leugnen, die immer wieder von ihr Besitz ergreift.  
Erst ein entsetzliches Unglück im Ipet Resit, Pharao Amenhoteps gewaltiger Baustelle inmitten von Uaset, stellt die Heilerinnen im Isistempel vor eine ihrer größten Herausforderungen. Und mitten in diesem furchtbaren Chaos begegnet Bent einem Mann, der ihr gesamtes Leben auf den Kopf stellt, der sie dazu bringt, sich endlich ihrer Vergangenheit zu stellen und wieder dem Leben zu huldigen. Ihren Schwur mißachtend, von Liebe berauscht, läßt sich Bent glückselig darauf ein.  Doch Sachmet, die tückische Göttin, vergißt niemals einen inbrünstigen Schwur und entfesselt ein grausames, blutiges Inferno…



Leseprobe:


Tage später, Bent brachte noch mehr Flakons zu Neschon, fühlte sie sich zu müde, um den Rückweg zum Tempel der Isis zu Fuß zu gehen. Sie zwängte sich mißmutig durch die Leute die den Markt bevölkerten, ärgerte sich über Neschons Preisvorstellungen, zog den Schleier fester, grübelte. Doch selbst wenn sie alle Flakons zu diesem horrenden Preis losschlagen würde – mit dem Erlös könnte sie noch nicht mal die Jahresgehälter zahlen. Das neue Scheunentor blieb ein Traum. Ah, da nahte Rettung. Ein alter Mann mit seinem Eselkarren.

„Raneb!“, rief sie laut und winkte. „Ach, du kommst mir gerade recht!“

Seneb, Herrin, soll ich Euch nach Hause fahren?“

„Es wäre mir eine Erleichterung. Bekommst auch einen schönen Krug kalten Bieres!“

Der Alte grinste, spuckte seinen Strohhalm aus, half Bent in den Karren und redete dem Esel gut zu. „Na komm, meine Alte, zieh an! Nu mach schon! Und Ihr, Herrin? Macht euer Haus Fortschritte? Kommt Ihr von dort? Zu Fuß? Das ist doch viel zu weit, ich fahr‘ Euch doch gerne.“

„Ich war nur auf dem Markt… Das Haus ist so gut wie fertig…“ Bent kratzte sich im Ausschnitt. „Eine Hitze heute schon wieder!“

„Ist doch angenehm, eine schöne Brise weht.“

Bent musterte gedankenverloren die Kehrseite des Esels. Tatsächlich, selbst das alte Grautier schien sich wohl zu fühlen. Trottete sie doch sonst müde, mit hängenden Ohren dahin, so stolzierte sie jetzt fröhlich, mit hocherhobenem Kopf, als wüßte sie, welch wichtigen Fahrgast sie beförderte. Der Karren kreuzte die Allee der Widder. Auf diesem freien Gelände wehte plötzlich ein heftiger Wind, Bent mußte ihren Schleier festhalten. Eine Heuschrecke flog vorbei und eine Wolke schob sich vor die Sonne.

Gehe hin, du meine Zauberin, und vertreibe den Dämon mit den Worten deiner Lippen!

„Was hast du gesagt?“

„Der Wind kommt aus dem Süden, Herrin! Ungewöhnlich!“

„Ungewöhnlich!“, murmelte Bent, kratzte sich und bekämpfte panisch aufsteigende Angst. Vor ihren Augen drehte sich alles, Schwindel erfaßte sie; soviel Wein hatte sie doch gar nicht bei Neschon getrunken. Selbst das hohe Gerüst an Amuns Harem [1] schwankte. Die Arbeiter darauf schrien und johlten, rissen die Arme hoch, doch im selben Herzschlag stürzte das Gerüst samt einer neu errichteten Säule mit furchtbar lautem Getöse ein! Der Esel keilte aus, Raneb riß die Zügel herum, das klapprige Gefährt schoß in atemberaubendem Tempo geradewegs hinein in die gewaltige Staubwolke, fand mit viel Glück durch den stattlichen Eingang des Südlichen Harems hindurch. Bent hustete, wischte sich den Dreck aus dem Gesicht, kletterte von dem Karren und versuchte durch den Staub etwas zu erkennen. Allmählich lichtete sich der Blick, Grauenvolles freigebend. Zerschmetterte Körper unter zerbrochenen Steinen, geborstenes Holz, Farbkübel, umherirrende, schreiende Verletzte, alles grotesk von bunten Farben eingefärbt.

„Oh, wir müssen helfen, ist da jemand? Hört mich wer?“

„Hier!“ Die zwei Wächter vom Eingang kamen gerannt und durch den Nebel taumelte eine staubbedeckte Gestalt auf Bent zu, irgendwo kreischten Frauen.

„Das Säulenkapitell kippte!“, rief der Mann, „Verdammt! Riß das ganze verdammte Gerüst mit! He, wo seid ihr alle?“

Vertreibe den Dämon!

Mit Worten?

Mit Worten!

Die da schreien, kreischen nur weil sie erschrocken sind! Das sind die Tänzerinnen des Amun! Saßen wohlbehütet in ihren Gemächern, die sind nicht unter den Arbeitern herumgelaufen! Bent faßte den Mann am Arm, zwang ihm ihren Blick auf: „Bist du schwer verletzt?“

„Nur ein paar Kratzer.“

„Dann hilf mit! Wir müssen ihnen helfen. Sie unter den Trümmern suchen. Ich bin Sahu-Re, Oberpriesterin der Isis. Raneb! Verdammter feiger alter Sack! Macht sich einfach davon! Und diese Weibsleute werden mit Hand anlegen! Komm her, Mädchen!“

„Oh, welch ein Elend!“, rief die junge Frau, die angelaufen kam. „Was kann ich tun?“

„Ruf deine Kameradinnen, bringt Wasser, Tücher, Binden, was ihr da habt, helft alle mit! Hast du hier was zu sagen?“ Der Mann zitterte am ganzen Leib, doch Bents bestimmender Ton schien zu helfen.

„Ich bin der Vorarbeiter dieser Kolonne. Allein zwanzig arbeiteten an den Malereien, standen auf dem Gerüst. Wenn ich nicht in der Bauhütte gesessen hätte, weil ich was in den Plänen nachsehen mußte, läge ich nun auch da…“

Vertreibe die Angst!

„Ich helfe euch! Hab keine Furcht! Wir bringen alle in den Tempel der Isis! Dort werden sie geheilt. Das geht schnell, nur höchstens acht Schenoch von hier. Der Ipet Sut ist viel zu weit weg, bestimmt an die fünfzig Schenoch [2] .“

„Achtundvierzig!“ Der Mann nahm sein Kopftuch ab und wischte damit den Schweiß und Staub von seinem Gesicht. Erleichterung stand in seinem Antlitz: „In den Tempel der großen Mutter, ja Herrin!“

Priester des Amun standen plötzlich da, Entsetzen im Blick. Bent betrachtete sie – lauter alte Männer mit schlaffen Muskeln. „Helft den Frauen!“, sagte sie, „Ihr könnt keine schwerverletzten Männer aus Steintrümmern und Bohlen bergen. Sind denn keine jungen hier?“

„Die hier können helfen!“, hörte Bent hinter sich lautes Rufen. Raneb kehrte zurück, in seiner Begleitung muskelbepackte Kerle. Die Fährleute! Und andere, die Karren fuhren. Im großen Säulenhof tummelten sich plötzlich Karren, Männer, Ochsen und Esel. Manch zweibeiniger Esel wurden von den kernigen Fährmännern zum Teil mit deftigen Backpfeifen daran gehindert allzu blöde zu gaffen. Helfen wäre angebracht, aber solche hirnverbrannten Idioten gibt es immer und überall!

„Den schwerstverletzten zuerst, komm Raneb, den laden wir auf deinen Karren und wir fahren voraus, damit ich dort Bescheid geben kann.“

 

„Ranofer!“ plärrte Bent von weitem, „Lauf hinein, ruf alle deine Männer, öffne den Festsaal!“ Der Karren stob um die Ecke, preschte den Feldweg an der nördlichen Mauer des Isistempels vorbei. Bent sprang herab, pochte wie eine Wilde an dem Tor des Festsaales. Drinnen hörte sie, wie die Riegel geöffnet und der Balken aus seiner Verankerung gehoben wurde. Beinahe wäre sie über den Gärtner gestolpert, so hastig rannte sie hinein und an ihm vorbei: „Hol deine Söhne! Bringt Betten aus dem Keller, viele, alle, beeilt euch! Helft dem Alten den Mann vom Karren zu holen, es kommen noch mehr, zwanzig, dreißig, ich kann es nicht sagen. Weredji! Mach Feuer unter den Kesseln, wir brauchen Wasser, viel Wasser! Kara! Kommt alle her, Uadja! Pesechet!“

„Was hat da so gerumpelt?“

„Ein Unglück! Im Südlichen Harem, eine Säule, ein Gerüst stürzte ein! Baket, geh, ruf alle Mägde, auch die aus der Küche, bringt Bettücher, Verbandszeug, Matten, alles was da ist!“

„Laß mich mal sehen!“ Mesechnet stöhnte, als sie den offenen Beinbruch des Verletzten betrachtete. „Den hättest du mal besser zum Vollkommenen Ort gebracht.“

„Das ist zu weit, hier können wir sie schneller versorgen.“

„Das wird ihm auch nicht mehr helfen.“

Kaum standen die ersten Betten, kamen die Karren mit den Verletzten. Niemand verlor ein unnötiges Wort, jeder legte Hand an, brachte Tücher, Matten, Wasser, Arzneien, Wein, legte Leintücher auf Betten.

„Wir sind zu wenige, um alle zu versorgen“, meinte Uadja, während sie Wein in das warme Wasser goß und Wunden auswusch.

„Wenn wir erst mal das Gröbste versorgt haben, können wir es langsamer angehen. Warum bringst du Tische?“ Diese Frage ging an einen der Söhne des Gärtners.

„Um sie neben die Betten zu stellen, Herrin. Dann können die Damen ihre Arztkästen darauf abstellen. Oder in der Nacht eine Lampe. Stühle bringen wir auch noch.“

„Gut! Mach später damit weiter! Hol dir jetzt einen Lappen und hilf mit, die Farbe und den Dreck von den Männern zu waschen.“

Im Nu war der Saal voll mit schreienden, stöhnenden, blutenden, sterbenden Männern. Kara rief von weitem, ein Bett sei bereits frei geworden.

„Bringt ihn hinaus! Legt ihn in den Schatten der Mauer. Fragt herum, so daß ihr seinen Namen erfährt. Und deckt ihn um Himmels willen zu! Irgendwer muß zu den Mumienmachern laufen, damit sie Männer schicken. Dieser wird nicht der einzige bleiben.“ Bent gab Anweisungen, behielt einen klaren Kopf, scheuchte die Mägde umher.

„Was ist das, Uadja? Was rührst du da in den Wein?“

Uadja gab keine Antwort, rührte weiter den Wein um. „Nichts!“, knurrte sie unwillig. Bent roch an dem Wein, nahm einen kleinen Schluck, packte sie am Kleid. „Wenn du mir nicht augenblicklich sagst, was du da tust, tret ich dir ans Schienbein! Es riecht nicht, schmeckt nicht! Ich bin eure ständige Geheimniskrämerei satt! Was ist das? Wofür ist das? Heka Achu? Hilft es ihnen?“

„Damit werden sie es aushalten. Und vielleicht vergessen. Es ist der mächtige Zauber des Entschwindens. Das ist der getrocknete, eingedickte Saft vom Schlafmohn.“

„Oh Uadja!“ Bent nahm ihren Arm. „Sie werden vergessen! Es ist ein starker Zauber! Keiner weiß das so gut wie ich! Gib die Becher her, ich bringe es ihnen.“

Bent hielt einem der armen Verletzten den Kopf, wartete bis er ausgetrunken hatte, beobachtete dabei die Leute. Mittlerweile kamen Angehörige gelaufen; was für ein Vorteil, denn sie halfen alle kräftig mit. Doch da vorne bummelte ein riesiger Kerl neugierig von Bett zu Bett, der anscheinend sonst nichts zu tun hatte als seelenruhig gaffend durch all das Gewusel im Saal zu schlendern.

„Was hältst du hier Maulaffen feil?“, schnauzte Bent laut durch den Saal. „Mach dich gefällig nützlich, du Affe, hilf meinetwegen Betten holen! Wenn ich dich noch einmal untätig sehe, wirst du mich kennenlernen! Entweder du hilfst oder verschwindest sofort!“ Der Mann verschwand schleunigst, half tatsächlich Betten schleppen.

„Wer war der Glatzkopf?“, fragte Kara.

„Keine Ahnung! Ich muß etwas essen, mir ist ganz flau.“

„Die Köchin hat glücklicherweise Unmengen von Brühe. Sie hat heute morgen Rindfleisch gekocht. Von der Brühe bringen wir gleich den armen Kerlen. Ah, da kommt ja schon ein Mädchen mit einem Kessel. Noch einer ist gestorben, Bent, das ist so traurig. Ich muß weitermachen, esse später.“

Bent nahm einen Napf mit Brühe, ein Stück Pesem, ließ sich draußen müde und irgendwie benommen am Beckenrand des Lotosteiches nieder. Die Wächter und Gärtner hatten eine Kette gebildet, nahmen einfach die Betten aus den leeren Krankenzimmern, das ging viel schneller. „Wieviele braucht ihr noch?“, brüllte der Tunichtgut von eben über den Hof.

„Im Augenblick vier!“, kam die schallende Antwort aus dem Festsaal. Als das letzte Bett verräumt war, kam der Mann auf Bent zu. Zog aus seinem Gürtel ein gestreiftes Kopftuch, wischte sich damit den Schweiß von der Stirn, stopfte es lässig zurück.

„War ich fleißig genug, Nebet?“

Bent stockte der Atem, der Tanz ihres Herzens setzte für ein zwei Schläge aus, beißender Schweiß des Entsetzens trat ihr auf die Stirn, als sie den Kerl aus der Nähe, im Hellen, sah und erkannte.

Tju!“, hauchte sie vollkommen verstört, Todesschrecken lähmte ihr die Glieder, sie war nicht mal in der Lage, das Brot und den Napf beiseite zu legen, saß wie erstarrt. Er setzte sich neben sie, nahm ihr das Brot aus der Hand und den Napf, nahm einen tiefen Schluck und biß herzhaft von dem Brot ab.

„Ein kaltes Bier käme gerade recht. Nun schaut nicht so verdrießlich! Ihr ward im Recht! Da war Arbeit und ich stand dumm rum. Da wurden Muskeln gebraucht und ich habe welche. Warum sie nicht mal fürs Möbelschleppen nutzen?“ Er rammte vertraulich grinsend seinen Ellenbogen in ihre Seite. „Nicht wahr?“

Bent konnte nicht lachen, wisperte nur tonlos: „Nehmt Ihr mich gleich mit?“

„Wohin?“

„Zum Richtplatz! Wird Parser mein Henker sein?“

Ihr kennt meinen Henker?“ Er biß nochmal in das Brot, verzog schmerzlich das Gesicht, hielt sich die Backe. „Ich war“, erklärte er mit vollem Mund, „auf dem Weg, um mir die Fortschritte meiner Baustelle anzusehen. He, Mädchen! Bring mal ein Bier, aber aus dem Keller, schön kalt! Und sah noch auf der Barke, wie das Gerüst einstürzte. Kam gerade dazu, als Ihr Anweisungen gabt, die Verletzten hierherzubringen. Isis wacht tatsächlich über Uaset, deshalb wird es glückselig leben! Soll ich der Retterin meiner Männer darüber vielleicht böse sein? Hört auf Euch Vorwürfe zu machen! Ich vertrage einen ordentlichen Anschiß. Dwa Netjer ink!“ Er nahm der Magd den Krug Bier ab. „Bring den anderen Burschen auch Bier! Sie sind durstig, wir haben alle schwer geschleppt!“ Er legte Bent die Hand auf die Schulter: „Niemand erfährt hiervon. Niemand erkennt mich. Jetzt beruhigt Euch und nun sag mir, Herrin des Isistempels, wie der Herr der Beiden Länder diese ehrenvolle Tat entlohnen soll.“ Er zog das Tuch hervor, wischte sich daran die Hände ab.

„Ich brauche ein neues Scheunentor!“, krächzte Bent völlig konfus. Ja, lach nur über mich! Es war ein langer Tag, es war ein furchtbarer Tag, ich kann nicht mehr denken, ich bin so müde.

„Ein Tor?“ Er schüttelte den Kopf, lachte nochmal laut. „Ich schicke morgen einen Schreiner. Aber möchtet Ihr vielleicht auch etwas, was meine tiefe Dankbarkeit besser ausdrücken könnte? Gold und Edelsteine? Wertvolle Arzneien? Spezereien? Eine Herde meiner besten Ochsen? Eine Fuhre meines besten Weines? Ihr habt meinen besten Arbeitern geholfen! Wahre Künstler! Nicht jeder ist in der Lage, mein göttliches Abbild auf Wände zu gravieren und zu malen. Ein Scheunentor! Also wirklich!“

„Künstler?“ Bent erwachte aus ihrer Schreckstarre. Was, wenn Bek unter den Arbeitern war? Ihr wurde ganz kalt. „Der Sohn des Men, Eures obersten Gärtners, war er auch im Ipet Resit?“

Ich kenne keinen Gärtnerjungen!“

„Der Vetter von…“ dem Monstrum, dem Sauhund… „Amenophis Hapu!“

„Ah, nein, nein, den kenne ich! Nein, der malt für meine Nebet schöne Bilder in ihren neuen Gemächern. Nun? Was verlangt Ihr! Ich habe nicht vor, ewig hier zu sitzen!“

„Wäre es unverschämt, noch einmal für dieses Jahr Iarets Apanage zu zahlen? Damit könnte ich meinen Heilerinnen wenigstens ihren Jahreslohn auszahlen.“

„Die haben für dieses Jahr noch keinen Lohn bekommen? Und arbeiten hier für nichts? Es sei dir gewährt! Doch nun muß ich gehen. Ich schickte vorhin noch nach dem Ipet Sut, damit zwei Ärzte herkommen. Ich denke, damit ist euch geholfen. Sie werden mittlerweile eingetroffen sein. Habt die Güte, mich durch dieses Tor hinauszulassen, ich will ihnen nicht begegnen!“

„Baket! Öffne das Haupttor!“

Anch Uda Seneb, Nebet!“

Anch Uda Seneb, Neb Maat Re, Heqa Uaset!“

 

Müde, vollkommen aufgewühlt, ließ Bent den Riegel der Pforte herunter, schnaufte tief durch, schlurfte über den Hof zurück zu dem Festsaal, schüttelte den Kopf. Das war doch ein dummer Traum, oder? Sie saß doch eben nicht wirklich mit Pharao, dem Guten Gott, dem Herrn der Beiden Länder auf dem Mäuerchen des Teiches und er trank ihre Suppe?

Der hatte Zahnweh!

Der ist ein Gott! Seit wann haben Götter Zahnweh?

Verfluchte Gabe! Ich hätte ihm doch was geben können!

Sie rannte zurück, schnappte in ihrem Schreiberraum den Kasten, öffnete die Pforte, trat hinaus auf die Straße. Die untergehende Sonne beleuchtete eine prächtige Barke an ihrem Anlegesteg. Und oben an Deck packte Neb Maat Re, Heqa Uaset einen Kerl beim Kragen: „Wenn mir noch einmal dein Pfusch unterkommt! Dann… Wage es nicht nochmal, billige Stämme, billige Seile, dumme Handlanger auf meinen Baustellen einzusetzen! Hast du das verstanden, du Drecksack?“

Bent blieb jäh stehen.

Das Monstrum!

Sie meinte, ihr bliebe vor Angst die Luft weg. Ihr Herz raste, trommelte so heftig in ihrer Brust, als wolle es hinausfliegen. Würde der Gute Gott ihn doch nur totschlagen! Doch den Gefallen tat er ihr nicht. Niedergeschlagen ging sie zurück, schloß das Tor hinter sich, sperrte die gnadenlose Welt aus.


[1] Der südliche Harem, Ipet Resit, Luxortempel

[2] Oder Chet = 52,4 Meter

 



Die Titel "Am Horizont der Sonne", "Deshret Rote Erde", alle "Sachmet"- Bände , die Leseproben daraus und die Coverabbildungen sind urheberrechtlich geschützt!
Alleiniges Copyright © Katharina Remy
 

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