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Die Flamme der VergeltungSachmet Die Rache der LöwinDie Flamme der Vergeltung


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3. Auflage August 2020
ISBN: 9783751929813
208 Seiten,  10,99 €
Als E-Book in ein paar Tagen erhältlich: 5,99 €


2011 AD:
L
uxor, Ägypten
Anna, außer sich über einen brutalen Mord in ihrem Freundeskreis, macht während des Arabischen Frühlings eine schauderhafte Entdeckung. Die einst von ihr hoch über dem Arbeiterdorf Deir el Medine gefundene Statue verkörpert in den Wirren dieser unruhigen Zeiten das absolut Böse. Außerhalb ihrer Saison reist Anna deshalb überstürzt nach Luxor. Doch dort herrscht das Chaos, selbst ihr Zufluchtsort, das geliebte Winter Palace, scheint nicht mehr sicher. So trifft Anna in den Zeiten der Revolution nicht nur den alten, bedrohlichen Bettler wieder. Georg erfährt von ihrem überstürzten Aufbruch, reist ihr nach, anscheinend wild entschlossen, seine Frau zurückzuerobern. Kurz darauf erschüttert ein feiger Mordanschlag das beschauliche Städtchen. In all diesen Wirren offenbart selbst Sachmet sich und es dauert nicht lange, da muß Anna, bedrängt, von ihrer Vergangenheit eingeholt, in Luxor um ihr Leben fürchten…

1386 v. Chr.:
Uaset, Kemet
Ranofers Tod wäre vielleicht zu verkraften gewesen. Doch daß er Bent und ihrer beider große Liebe einfach vergessen hat, stürzt die ehrbare Hohepriesterin der Isis in tiefste Betrübnis. Von diesem erneuten Schicksalsschlag grausam getroffen, im Herzen kalt, fühlt Bent sich außerstande ihr Leben weiterzuführen. Von Sachmets Wut verlassen, aber stets an die grausame Rache der Löwin erinnert, von Todessehnsucht gepackt, strebt sie nach Erlösung ihrer Qualen, sucht selbstquälerisch den ewigen Schlaf. Wären da nicht Pharao selbst der ihre Hilfe beansprucht, ihr verläßlicher Freund Bek, der ihr zur Seite steht und die Verpflichtung für den Tempel. Als sie schließlich glaubt, all das Böse hinter sich gelassen zu haben, endlich bereit sei, das Haus der Isis als ihr zu Hause anzunehmen, begegnet ihr unverhofft Amenophis Hapu. Bent, von Blutrache gepackt, beschwört abermals die blutgierige Sachmet. Wird die Mächtige ihr diesmal zur Seite stehen?

Anch, Lebensschleife

Leseprobe:

... "Wie bekommen wir das durch den Kanal?“ Bent stand grübelnd am Anleger, betrachtete argwöhnisch das Schiffchen.

„Wie es reingekommen ist, Herrin. Klar können wir das. Erst mal rudern, bis wir im Iteru sind, dann das Segel hissen. Haben wir nicht alle unser Leben lang den Fährleuten zugesehen? Das kann doch keine Kunst sein!“

„Da passen wir doch gar nicht alle rein.“

Ranofer half den Damen in das schwankende Boot, widmete Bent dabei besondere Aufmerksamkeit, stakte es dann mit Samuts Hilfe vom Anleger weg. Die zwei anderen übernahmen die Ruder, Montju hielt sich am Mast fest, betrachtete das Tauwerk und das geraffte Segel.

 „Juhu!“, plärrte Chemsit und sprang übermütig hoch, als sie Iterus Fluten erreichten, der Nordwind ihr Haar durcheinanderbrachte und das kleine Boot von der Strömung erfaßt wurde.

„Nicht doch!“ Bent war das schaukelnde Ding nicht geheuer.

„Na komm schon, Herrin!“ Ranofer zog sie einfach auf seinen Schoß. „Kommt gut, was?“, strahlte er sie an.

„Laß mich los!“, giftete sie.

„Sitzen bleiben, Herrin! Nicht, daß Ihr mir ins Wasser fällt.“

„Wollen wir in die Mitte?“, fragte Samut tollkühn.

„Auja!“

„Hört auf mit dem Unfug!“

„Ach, Herrin, ein bißchen Spaß! Nach der harten Überzeugungsarbeit von eben. Riecht doch den Wind. Ist das schön kühl auf dem Wasser!“

„Achtung! Der große Segler!“

In seinem Fahrwasser schwappte das kleine Schiffchen hin und her.

„Hoppla, schönes Kind!“, schäkerte Samut und faßte Chemsit um die Hüfte. „Wenn ich dich jetzt nicht aufgefangen hätte. Sollen wir das Boot hier halten?“

„Ja! Oh, das macht Spaß! Bent! Guck doch nicht so grimmig!“

Bent machte sich unwirsch aus Ranofers umsichtigen Griff frei, rutschte auf den Platz neben ihn.

„Ein bißchen Lustbarkeit, Herrin. Was ist denn dabei?“, meinte er. „Sie freut sich so. Und uns allen macht es Spaß.“

Mit Mühe hielt Bent ihre heißen Tränen zurück. Wie gerne wäre ich mit dir gesegelt, wie liebend gerne hätte ich mit dir eine Ruderpartie gemacht. Und jetzt? Du siehst mich an und kennst mich nicht. Nimmst mich auf deinen Schoß aus Pflichtgefühl… Oh mein Liebster… nur ein paar Augenblicke mit dir! Schnodderig schnauzte sie: „Wir bleiben in der Mitte. Wenn ihr Kerle segeln könnt, dann laßt uns ein Stück nordwärts treiben!“

„Dann auf! Paßt auf ihr zwei da hinten, daß wir nicht in die Fahrrinne der großen Barken kommen!“

Aus Spaß auf Iterus Fluten rumdümpeln! Wo gibt’s denn sowas? Pah! Bent krallte sich am Bootsrand fest, schaute ans Ufer, betrachtete die Stadt aus einem völlig anderen Winkel, fand beinahe Gefallen daran. Aber nur beinahe. Vielleicht wäre es einfacher, säße Ranofer nicht so dicht neben ihr? Vielleicht wäre es nicht so schwer, wenn Chemsit aufhören würde mit Samut zu schäkern? Die hatte nämlich seinen Tintenschmuck entdeckt und ließ sich von ihm alles ganz genau erklären.

Gestern standest du noch ohne Vermögen da, hast im größten Schweinestall mit vier Kerlen gehaust. Jetzt strahlst du über beide Ohren und schäkerst was das Zeug hergibt als hätte es das Gestern nicht gegeben!

„Bogenschütze?“, fragte Chemsit gerade, mit Augen wie ein Kind, dem etwas Süßes geschenkt wurde. „Aus…“ Sie beugte sich tief über Samuts mächtigen Oberschenkel, „Wie heißt das?“

Hut Ta Heri Ib.“

„Wo ist denn das?“

„Im Norden.“

„Ich bin aus Swenu [1], brummte Ranofer Bent zu. Aber das war wahrscheinlich nur dem Gefühl geschuldet, ein nettes Gespräch in Gang zu bringen.

„Ich weiß.“

„Ach? Hatte ich das mal erwähnt?“

Tju.“          

„Ihr findet nichts an Lustbarkeiten, was Herrin? Ihr seid so ernst, daß ein armseliges Gemüt direkt Angst vor Euch kriegen könnte. Die Leute werden in Eurer Nähe ehrfürchtig. Wenn ich es nicht besser wüßte…“ Er packte eins seiner gerollten Blätter aus, reichte es ihr, kramte nach einem zweiten, stopfte es sich in die Backe.

„Was, Ranofer?“ Ein Fünkchen Hoffnung, bitte! Lag Sehnsucht in deiner, meiner Stimme? Ach, verflucht, niemals! Meine klingt wie das Knurren eines Hundes… Sie schaute bitterböse zu Chemsit hin, die sich schamlos an Samut ranmachte, war geneigt, ihr eins mit der Rute überzuziehen.

Ich kann das auch!

Bent zog tief die Luft ein, richtete sich auf, warf sich mit einer koketten Bewegung das Haar über die Schultern, schlug die langen, schlanken Beine übereinander, richtete den Rock, zog ihn ein bißchen hoch, spielte mit den Glöckchen an den Fußketten. Besser als die da! Besser als Chemsit es jemals könnte! Wenn es auch Millionen Jahre her ist, eine lange Ewigkeit, in einem anderen Leben… Mit den Augen klimpern! Schmeicheleien sagen! Die Männer um den Verstand bringen! Bin ich nicht prächtig herausgeputzt? Habe ich nicht ein schön gemaltes Gesicht? Sehe ich nicht aus wie eine junge Frau? Jene junge Frau, mit der du dein Leben verbringen wolltest? Kinder haben wolltest? Mit der du den Bund eingegangen bist? Sieh mich an, Ranofer! Schau doch hin!

Sie zauberte sich ein falsches, aber betörendes Lächeln ins Antlitz, fuhr sich mit der Zunge über die Lippen, klappte ihren Fächer mit den flauschigen Federn auf, hielt ihn vors Gesicht, schmachtete ihn mit glühenden, verliebten Augen an. Augen wie zum Duell entschlossen.

„Was weißt du, Ranofer?“

„Nichts.“ Er schaute sie mit seinen schönen Augen an – teilnahmslos, freundlich, höflich - rieb sich den kurzen Bart. „Manchmal wirkt Ihr, wenn Ihr euch unbeobachtet fühlt, aber wirklich nur manchmal, wie ein junges unschuldiges Mädchen. Und als wir den Großen Brand feierten, da hättet Ihr fast ausgelassen getanzt. Und Ihr habt Herz, Herrin, ein großes. Wenn Ihr es auch oft versteckt haltet. Aber ich sollte besser mein großes Maul halten. Das geht mich alles nichts an.“

Sprich doch weiter, mein Liebster! Bitte! Für dich würde ich tanzen…

„Ich hatte Glück“, sagte er nach einer Weile, spuckte ins Wasser. „Weißt du Herrin, es ist nicht einfach in diesen glorreichen Zeiten. Da braucht niemand einen Wächter. Schon gar nicht eine Handvoll dahergelaufener Söldner. Ich dachte schon, ich finde überhaupt keine Arbeit mehr. Doch vorgestern kam einer aus dem Ipet Resit zu uns ins Haus. Sie suchen Tempelwächter. Montju, Samut und ich können zum Jahresanfang dort Wache schieben.“

„Wie schön! Oh, es tut mir so leid…“

Du weißt ja nicht, daß ich die alten Amun-Priester aufgesucht habe. Sie waren mir was schuldig! Ha! Habe ich ihnen nicht geholfen, als das Gerüst einstürzte? Diese alten Säcke… Pah! Das war ein Leichtes… Warum nimmst du nicht einfach meine Hand? Warum schaust du zu denen hinüber? Diese lauschige Ruderpartie! Sowas läßt doch die Herzen aller Verliebten höher schlagen! Sieh mich doch an, mein schöner Mann! Ich vergehe vor Sehnsucht nach dir! Ich habe sie alle rumgekriegt! Alle! Nur dich nicht! Warum bleibst du nur so kühl?

Sie nahm einfach seine Hand, schaute dem Mann ins Gesicht, in die Augen, ins Herz, erblickte Anstand, Ehrfurcht, Treue und Liebe! Reine, ehrliche, aufrichtige Liebe für die Herrin des Hauses. Für die Hohepriesterin der Isis. Er würde in Pflichterfüllung sie und das Haus sogar mit seinem Leben verteidigen. Doch die Liebe, die er einst für sie, für die Frau in Bent empfand, suchte sie vergebens. Hinter dem Fächer versteinerte ihr Lächeln…

„Schon gut, Herrin. Ich habe es ja verstanden. Ich habe mir mal angesehen, was ich für einen Lohn bekomme. Ganz schön viel. Hab’s gar nicht gemerkt, gebe ja kaum was aus.“ Er stand auf, gab Samut zornig eine hinter die Löffel, zischte: „Mensch, du Idiot! Wenn du jetzt nicht aufhörst an diesem Mädchen rumzufummeln!“

„He!“, empörte Chemsit sich. „Spinnst du?“

„Schämt der sich nicht?“

„Das ist so ein lieber Kerl! Und ihr habt mir geholfen! Da werde ich mich doch wohl ein wenig erkenntlich zeigen dürfen!“

„Ach?“, maulte Bent von gegenüber, klappte den Fächer zu, linste an Montju und dem Mast vorbei, „Machst du es jetzt schon umsonst?“

„Halt die Klappe, Bent! Den spannst du mir nicht aus! Da kannst du dich noch so auftakeln wie eine alte Barke! Kommst daher, mit der lächerlichen Blechkrone, dem klimpernden Schmuck, dem Firlefanz! Meinst du, sie würden deswegen mehr zahlen? Das hast du immer noch so gemacht! Jeden geschnappt, der dir gefiel!“

„Halt dein vorlautes Maul, Chemsit!“ Bent sprang hoch, Chemsit ebenso, das Boot kam ins Schlingern, Bent krallte sich an Ranofer, er hielt sie fest, nahm sie in den Arm, ihr Gesicht so dich vor seinem als wollten sie sich küssen. Für einen süßen, kurzen Augenblick spürte Bent seine unrasierte Wange an der ihren. Wie sie das an ihm liebte! Seine Unsitte, nicht täglich das Messer zu benutzen, der dunkle Schatten, der seinem schönen Gesicht so gut stand. Für ein, zwei Herzschläge lang hielt Bent sich an ihm fest. Sein starker Arm, sein Duft, schaute ihm in die leuchtenden Augen mit den dichten, dunklen Wimpern, war geneigt, ihre Lippen auf die seinen zu drücken.

„Das wäre beinah peinlich geworden, Herrin“, sagte er mit einem verlegenen, schon fast schüchtern anmutendem Lächeln, zog sie zurück auf die Sitzbank...



[1] Atribis und Assuan



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